OpenAI erweitert GPT-Rosalind: Neues Update für Life Sciences und Arzneimittelforschung

OpenAI hat ein bedeutendes Update für sein auf die Lebenswissenschaften spezialisiertes KI-Modell GPT-Rosalind angekündigt. Die neue Version kombiniert die agentischen Fähigkeiten von GPT-5.5 mit vertieftem Fachwissen in Bereichen wie medizinische Chemie und Genomik. Damit soll Forschern an der Schnittstelle von Biologie und künstlicher Intelligenz die Arbeit erheblich erleichtert werden.

Lesen Sie, welche neuen Benchmarks das Modell durchbricht und wie Unternehmen wie Novo Nordisk die Technologie bereits nutzen.

GPT-Rosalind: Intelligenz für die Life Sciences

Das aktualisierte GPT-Rosalind ist speziell für die Life-Sciences-Forschung im Unternehmensmaßstab konzipiert. Es vereint agentisches Coding und erweiterte Tool-Nutzung mit verbessertem Domänenwissen in der Wirkstoffforschung. Das Modell zeigt laut OpenAI breite Leistungssteigerungen bei Forschungsaufgaben von Biologie-Experten, komplexen Fragestellungen der medizinischen Chemie, quantitativer Biologie sowie der Fehlersuche in realen Laboren.

Besonderes Augenmerk liegt auf der End-to-End-Scientific-Reasoning-Fähigkeit. Anders als herkömmliche KI-Benchmarks, die oft nur einzelne Teilaspekte isoliert betrachten, bewertet das neue LifeSciBench wissenschaftlich wertvolle Arbeitsschritte ganzheitlich. Dazu zählen die Bewertung von Evidenz, Analyse, Design, wissenschaftliches Schlussfolgern, Validierung und Kommunikation.

Messbare Fortschritte in vier zentralen Bereichen

Um die praktische Nutzbarkeit zu messen, hat OpenAI mehrere spezialisierte Benchmarks entwickelt. In allen Tests schneidet GPT-Rosalind deutlich besser ab als das zugrundeliegende GPT-5.5 und arbeitet dabei token-effizienter.

LifeSciBench und wissenschaftliches Reasoning

Auf LifeSciBench führt das Modell die Rangliste bei wissenschaftlich wertvollen Aufgaben an. Dazu gehört das Extrahieren, Abgleichen und Prüfen wissenschaftlicher Evidenz aus Publikationen, Abbildungen, Tabellen und experimentellen Aufzeichnungen. Die Bewertung erfolgt durch externe Experten aus Industrie und Akademie.

Medizinische Chemie auf Spitzenniveau

Im Bereich der medizinischen Chemie erzielt GPT-Rosalind mit 27,5 Prozent auf dem neuen MedChemBench einen neuen Bestwert und übertrifft GPT-5.5, das auf 25,1 Prozent kommt. Gleichzeitig nutzt es 7,2 Prozent weniger Tokens. Der Test umfasst multimodales Verständnis chemischer Strukturen, Struktur-Aktivitäts-Beziehungen, Vorhersagen zu Wirkstoffpotenz, Toxizität und ADME sowie retrosynthetische Planung.

Genomik und quantitative Biologie

Auf GeneBench, einer Bewertungsplattform für agentische Langzeit-Analysen in der Genomik, verbessert sich die Trefferquote von 20,4 auf 21,6 Prozent. Dabei reduziert sich der Tokenverbrauch um beeindruckende 31 Prozent. Die Aufgaben umfassen funktionale Genomik, räumliche Transkriptomik, Proteomik, Epigenomik und angewandte Genetik.

Praktische Unterstützung im realen Labor

Mit dem neuen LabWorkBench wurde erstmals die Fähigkeit getestet, Wissenschaftler bei realen Laborarbeiten zu unterstützen. GPT-Rosalind erreicht hier 63,2 Prozent gegenüber 55,8 Prozent bei GPT-5.5 und arbeitet dabei mit 5,3 Prozent weniger Tokens. Die Tests basieren auf proprietären, realen Laborprotokollen und decken Fehlersuche sowie Optimierung ab.

Von der Analyse zur ausgeführten Workflow

Jenseits reinen Reasonings bietet OpenAI zwei neue Plugins an, die die gesteigerte Intelligenz von GPT-Rosalind in konkrete, wiederholbare wissenschaftliche Workflows überführen. Über Codex stehen allen Nutzern nun das Life Sciences Research– und das Life Sciences NGS Analysis-Plugin zur Verfügung.

Qualified Enterprise-Anwender können zudem GPT-Rosalind als Antriebskraft für diese Plugins nutzen. Sie ermöglichen die Verbindung von externer Evidenz mit internen Omics-Analysen und sorgen für nachvollziehbare Provenienz aller Arbeitsschritte.

Interaktive Viewer für biologische Dateien

Neu hinzugekommen sind interaktive Viewer für biologisch native Dateitypen. Wissenschaftler können Sequenzen, Alignments und molekulare Strukturen direkt im Codex-Arbeitsbereich betrachten. Das ermöglicht es, während einer Analyse nahe an der Evidenz zu bleiben und direkt im Kontext des Viewers Folgefragen zu stellen.

Globale Expansion und Partnerschaft mit Novo Nordisk

Im Rahmen einer globalen Expansion ist GPT-Rosalind nun für qualifizierte Organisationen weltweit verfügbar. Der Zugang erfolgt über ein vertrauenswürdiges Bereitstellungsmodell mit Unternehmenssicherheit für Organisationen, die legitime wissenschaftliche Forschung mit klarem öffentlichen Nutzen betreiben.

Als prominenter Partner wurde Novo Nordisk genannt. Das Pharmaunternehmen nutzt GPT-Rosalind, um komplexe Datensätze zu analysieren, Muster zu erkennen und Hypothesen schneller zu testen. Mishal Patel, Group Vice President für AI & Digital Innovation bei Novo Nordisk, betonte, dass KI-Modelle in vertrauenswürdige wissenschaftliche Daten und validierte Tools eingebunden sein müssen, um echten Mehrwert für Forscher zu schaffen.

Ausblick: Verantwortungsvolle biologische KI

Das Update ist laut OpenAI ein weiterer Schritt hin zu KI-Systemen, die wissenschaftliche Entdeckungen beschleunigen und gleichzeitig angemessene Schutzmaßnahmen gewährleisten. Zukünftig soll die biologische Schlussfolgerungsfähigkeit weiter ausgebaut und die Unterstützung für tool-intensive sowie Langzeit-Forschungsworkflows verbessert werden.

Über das Programm Rosalind Biodefense sollen zudem Fähigkeiten für die öffentliche Gesundheit, die Pandemiepräparation und den Biodefense-Bereich verantwortungsvoll bereitgestellt werden. Ziel ist es, Forscher, Institutionen und Verteidiger mit modernsten biologischen KI-Werkzeugen auszustatten, um die menschliche Gesundheit zu verbessern und die gesellschaftliche Resilienz zu stärken.

Quelle: OpenAI Blog

Becker Julian