Großbritannien will bis 2029 1,5 Millionen neue Wohnhäuser bauen, doch dichte Papierflut und administrative Rückstände bremsen lokale Planungsbehörden aus. Mit einem neuen KI-Prototypen, der auf Googles Gemini-Technologie basiert, soll dies nun fundamental ändern. Das gemeinsame Ziel ist ambitioniert: Die Bearbeitungszeit für Bauanträge von Eigenheimbesitzern soll um die Hälfte sinken, damit mehr Häuser schneller gebaut werden können.
Partnerschaft für den Wohnungsbau
Im Rahmen der National Partnerships for AI kooperiert Google DeepMind mit der britischen Regierung, Google Cloud, dem Technologieunternehmen Faculty sowie den Planungsbehörden in Barnet, Camden und Dorset. Gemeinsam entsteht ein KI-gestütztes Assistenztool, das speziell auf die täglichen Herausforderungen von Planungsbeamten zugeschnitten ist. Nach den ersten Tests in den drei Modellregionen ist eine landesweite Einführung bei allen Kommunalverwaltungen ab 2027 vorgesehen.
Wie der KI-Assistent die Arbeit erleichtert
Bislang verbringen Fachkräfte bei typischen Anträgen stundenlanges Querlesen in alten Akten und PDF-Dokumenten. Das neue System übernimmt diese Routineaufgaben und bereitet die Inhalte übersichtlich auf. Dabei konzentriert es sich auf vier zentrale Funktionen:
- Datenkonsolidierung: Die KI filtert Backlogs heraus, hebt fehlende Angaben hervor und fasst alle relevanten Grundstücksinformationen in einer zentralen Ansicht zusammen.
- Richtlinienprüfung: Nationale und lokale Bauvorschriften werden automatisch identifiziert, auf Einhaltung vorbewertet und mit exakten Quellenangaben verknüpft.
- Feedback-Analyse: Konsultationsschreiben werden durchsucht, um wesentliche Einwände und Präzedenzfälle für den Sachbearbeiter hervorzuheben.
- Berichtsentwurf: Das Tool erstellt einen ersten Entwurf für das finale Prüfgutachten samt Begründung und empfohlenen Auflagen.
Dies entlastet die Beamten insbesondere bei einfachen Fällen wie Dachgeschossausbauten oder Anbauten. Rund 70 Prozent aller jährlichen Planungsanträge fallen in diese Kategorie der Hausanträge.
Mensch bleibt am Steuer
Trotz der Automatisierung liegt die finale Entscheidung uneingeschränkt beim Planungsbeamten. Jeder generierte Vorschlag wird von ihm geprüft, korrigiert und genehmigt oder abgelehnt. Für maximale Transparenz protokolliert das System jeden einzelnen Arbeitsschritt und erzeugt einen lückenlosen Audit-Trail für jede Entscheidung.
Extract legt den Grundstein
Der neue Prototyp baut auf dem Erfolg von Extract auf. Das bereits flächendeckend in England verfügbare Tool wandelt hunderte Seiten unstrukturierter PDF-Planungsdokumente in wenigen Minuten in nutzbare digitale Daten um. In über 20 Testbehörden erwies sich Extract als äußerst hilfreich und soll im Schnitt pro Jahr rund 255 manuelle Arbeitsstunden einsparen.
Fazit und Ausblick
Durch den Einsatz von KI strebt Großbritannien ein reaktionsschnelleres und transparenteres Planungssystem an. Die Reduzierung administrativer Lasten soll nicht nur den Bau neuer Wohnungen beschleunigen, sondern auch den wirtschaftlichen Schwung im Bausektor fördern. Ob die Partnerschaft auch für andere Länder als Blaupause für die Modernisierung öffentlicher Dienstleistungen dienen kann, bleibt abzuwarten.
Quelle: Google DeepMind Blog